Tiefgründiger Liedpoet mit wachen Maleraugen
Ute Wolf hat Harald Immig einfühlsam begleitet.
Avanti/Ralf Poller
Die wahren Dinge sind ganz leise, oft kaum wahrgenommen und sichtbar nur für den, der sie auch sehen will: Einem auf den Rücken gefallenen Käfer aufrichten etwa, oder einem Fremden die Hand geben. Es sind leise Töne und hintergründige Texte, mit denen das musikalische Dreigestirn Harald Immig, Ute Wolf und Klaus Wuckelt in der romantischen Kulisse des Hohenbeilsteiner Burghofes einen Liederabend vor kleinem Publikum servieren.
Der Barde absolut im Mittelpunkt, als Sänger, Gitarrist und Liedermacher, der mit seinen mal amüsanten, mal nachdenklich stimmenden Liedtexten seine Zuhörer begeistert. Ute Wolf, mit ebenso klarer wie ausdrucksvoller Stimme ausgestattet, steht ihm als sensible Begleiterin eher zurückhaltend zur Seite. Auch sie beherrscht das Saitenspiel vorzüglich, wie sie als Solistin mit ihrem von Zigeunerstimmung inspirierten eigenen Lied zeigt, in dem sie in ihrem besinnlichen Text feststellt: "Was ich auch bin, ich bin es gern -heut bin ich ein Gesang".
Auch Klaus Wuckelt hat einen begeisternden Soloauftritt und spielt auf seiner aus einer alten Mooreiche gefertigten Mandoline ein altes Lied aus Japan. Als Meisterschüler von Takashi Ochi und echter Japankenner überzeugt er sein Publikum mit der auf Anhieb gar nicht japanisch anmutenden Melodie, die aber doch Sayonara-Stimmung aufkommen lässt.
Harald Immig, der seine Heimat liebt, geht mit wachen Maleraugen durch die Welt, saugt alles auf, was ihm begegnet, gibt in seinen Aquarellen echte Stimmungen wieder, schmiedet mit Poetengeist tiefgründige und nachdenklich stimmende Verse, die er gekonnt in musikalische Botschaften umsetzt und damit sein Publikum vergnüglich unterhält und auch nachdenklich stimmt. Er wehrt sich gegen "das Allgemeine", will nicht angepasst sein ("das ist gefährlich") und weiß: "Wer vor sich gerade steht, überzeugt".
Es sind uralte, von der Mutter übernommene Lieder wie "Rosemarie", mit denen der Barde aufwartet und er erinnert sich schwärmerisch, wie er sich schon als Kind vom Apfelblütenduft betören ließ. Altes bewahren ist dem Liedpoeten mit schwäbischer Seele ein ebenso wichtiges Anliegen, wie die Natur zu erhalten, für die er ein Herz hat. In der Beobachtung der Natur findet Harald Immig seine Texte ebenso, wie sie ihm aus besonderen Situationen zufallen. Fast unversehens finden dabei auch das Versagen der Banker oder Probleme um die Abwrackprämie Eingang in seine sonst eher immateriell orientieren Texte.
Oft muss man weit weg gehen, um zu merken, was man zu Hause hat. Harald Immig findet auf seiner Neuseelandtour ("Ich hab mich ans Ende der Welt begeben") heraus, dass jedes Oben immer auch ein Unten hat. Auch seine Vorliebe für die heimatlichen Dampfnudeln entdeckt er neu: "Nie d'Hoimat vergessa!"
Harald Immig serviert handgemachte Musik. Bei seinem Beilsteiner Auftritt herrschen die leisen Töne vor - die leisen Töne, die weiterhelfen. Doch er lässt auch erkennen, dass er einen Nerv für Lustiges hat. Seine Lieder im Dialekt vom Bulldog (Traktor), an dem koiner vorbeikommt oder sein erlebnisreicher Bericht vom Kaffeelöffelleba ("herrlich, nacked en d'r Schublad flacka") geben davon lebhaft Ausdruck.
Mit einem Lied aus dem Gefühl heraus, das Mut macht - "Ich bin wie eine Vogelfeder, so wie ich bin ist nicht jeder" - lässt das Trio den romantischen Abend vor fantastischer Kulisse so verträumt ausklingen wie sich der Burghof zu vorgerückter Stunde stimmungsvoll und romantisch präsentiert. Eine Stimmung, die das entschleunigte Publikum gefangen nimmt. Eine Vogelfeder aus der Hand der Burgherren für das Musikertrio - eine charmante Schlussszene, die für lebhaften Applaus sorgt.
Helmut Schwarz
09.08.2009 - aktualisiert: 09.08.2009 20:08 Uhr